Buch zur Armenfürsorge in der Franzosenzeit erschienen

Lisa Klewitz, Von der christlichen Caritas zur öffentlichen Wohlfahrt. Die Armenfürsorge im französischen Neuss zwischen Norm und Praxis (1794-1814)

Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen im Oktober 1794 begann für Neuss eine neue Epoche in der Stadtgeschichte. Die alte, kurkölnische Zeit endete und mit ihr viele, seit dem Mittelalter existierende städtische Strukturen und Praktiken. Das betraf auch das System der Armenfürsorge, dass sich grundlegend veränderte – weg vom Prinzip der christlichen Caritas hin zu einer staatlich getragenen, öffentlichen Wohlfahrtspflege.

 

Mit der Doktorarbeit von Lisa Klewitz legt das Stadtarchiv jetzt eine detaillierte Studie vor, die diesen Umbruch für Neuss auf der Basis der umfangreich überlieferten Quellen im Stadtarchiv untersucht und erstmals einen tiefen Einblick in die damaligen sozialen Verhältnisse in Neuss ermöglicht. Der Band „Von der christlichen Caritas zur öffentlichen Wohlfahrt" schließt damit eine Lücke in der Neusser Geschichtsschreibung sowohl zur Franzosenzeit 1794 bis 1814 als auch zur Sozialgeschichte insgesamt.

 

Als die für Neuss so bedeutsamen Klöster und Stifte 1802 säkularisiert wurden und schließen mussten, fielen die seit dem Mittelalter bestehenden Institutionen der christlichen Caritas fast vollständig weg. Die französische Verwaltung gestaltete die öffentliche Fürsorge grundlegend um und legte sie in die Hände des Staates. Die französische Verfassung hatte 1791 das Recht der Bedürftigen auf öffentliche Fürsorge festgelegt – Armenfürsorge war Staatspflicht geworden. Damit war der Anfang unserer heutigen Sozialgesetzgebung gemacht. Der Empfängerkreis der Fürsorge in Neuss vergrößerte sich durch die Modernisierung der Armenverwaltung deutlich. Gleichzeitig waren die Bedürftigen weiterhin auf Selbsthilfe angewiesen und pflegten ihre eigenen sozialen Netzwerke. Auch diesen Mikrokosmos hat Klewitz im Detail untersucht und führt so die damaligen Lebensverhältnisse der Neusser Armen plastisch vor Augen.

 

Das Buch ist als Band 21 in der Schriftenreihe des Stadtarchivs erschienen. Es umfasst 405 Seiten und ist ab sofort zum Preis von 19,80 Euro im Stadtarchiv, im Neusser Buchhandel sowie in der Touristinformation erhältlich.

 

 

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